Dr.-Ing. Michael Merk

 Leiter Überwachung- und Zertifizierungsstelle Holzbau am Materialprüfungsamt für das Bauwesen der Technischen Universität München

Entwurf der Muster-Holzbaurichtlinie

Das Baurecht deckt den aktuellen technischen Fortschritt im Holzbau noch nicht vollumfänglich ab. Das belegte auch der Vortrag von Dr. Merk über den Entwurf der Muster-Holzbaurichtline (M-HolzBauRL). Die aktuelle Situation erfordere eine Erweiterung bauordnungsrechtlicher Regelungen für das Bauen mit dem Baustoff Holz. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde vollzogen. Mit der Fortschreibung der bislang existierenden Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise M-HFHHolzR zur neuen M-HolzBauRL. Zum aktuellen Zeitpunkt enthalte dieser Entwurf jedoch noch bei weitem nicht alle heute möglichen Konstruktionsformen. Zahlreiche Einsprüche wurden bereits eingereicht und würden derzeit geprüft. Ziel sei es, das rechtskonforme Bauen bis zur Hochhausgrenze durch entsprechende Richtlinien, technische Regeln, Nachweise und festgelegten Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu erleichtern. Die Unsicherheit im Holzbausektor sei immer noch zu groß und die Abweichungsregelungen, die derzeit zum täglichen Holzbaugeschäft zählten, aufwendig und kostspielig.

 

Heute können selbst die höchsten Anforderungen an Holzbauteile technisch problemlos, versuchstechnisch belegt, zweifelsfrei erfüllt werden. Jedoch sei es schwierig, dann die entsprechenden Nachweise konform mit den bauordnungsrechtlichen Vorgaben zu liefern. Gerade für die Massivholzbauweisen fehlten die Regelungen zur Verwendbarkeit. „Wenn sie in einer Ausschreibung oder einem Brandschutznachweis das Wort hochfeuerhemmend lesen und es wird gleichzeitig gesagt, dass mit Brettsperrholz gebaut werden soll, dann müssen sie aufschreien!“, riet Dr. Merk. Denn hochfeuerhemmend und Brettsperrholz schließe sich aus, es sei schlichtweg nicht zu erfüllen. Darauf müsse zuvor im Brandschutznachweis mit entsprechenden Abweichungsanträgen eingegangen werden.

Auch in der Hessischen Bauordnung (HBO) sind im § 29 die allgemeinen Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen geregelt. Dort heißt es aktuell in Absatz (2) Satz 5: „Abweichend von Satz 4 sind andere Bauteile, die feuerbeständig oder hochfeuerhemmend sein müssen, aus brennbaren Baustoffen zulässig, sofern sie den Technischen Baubestimmungen nach § 90 entsprechen.“
Für Dr. Merk sind „andere Bauteile“ eben diejenigen, die nicht hochfeuerhemmend oder feuerbeständig entsprechend § 29 Satz 4 sind, jedoch einen gleichwertigen Feuerwiderstand erfüllen sollen. Allerdings ist dieser Satz in der Hessischen Bauordnung derzeit nur vorbereitend. Erst wenn die M-HolzBauRL existiert und auch eingeführt ist, könne mit diesem Satz 5 gearbeitet werden. Aktuell ist die Anwendung von HBO §29 (2) Satz 5 noch nicht möglich. Auch in Hessen ist also das Bauen mit Holz bis zur Hochhausgrenze aktuell noch nicht fertig gelöst.

 

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