Interview

 

Know-how für das Holzbau Cluster

Carmen und Andreas Mitze bringen ihre Erfahrungen ein
Von Diana Wetzestein
 

17. November 2016_Vöhl-Basdorf. „Danke, dass ihr uns glücklich gemacht habt“, dieser Text steht auf einer der Weihnachtskarten, die das Ehepaar Mitze im letzten Jahr bekommen hat. Und genau das ist es, was bei Mitze-Holzbau im Vordergrund steht. Sie machen die Menschen glücklich, weil sie Holzbau können.  

119 Jahre gibt es Mitze-Holzbau schon, seit September 1995 ist Zimmermeister Andreas Mitze der Betriebsinhaber mit einer ausgeprägten Leidenschaft für das Holz. Damit verzimmert er Dachstühle, setzt es bei energetischer Sanierung, Aufstockungen, im Holzrahmenbau und Bauen im Bestand, der Restaurierung, für Fenster, Türen, Wintergärten, Innenausbau, Möbel und auch mal für ein Baumhausprojekt ein. Denn er plant am liebsten das „achteckige Osterei“ oder alles, was rund ist und nennt genau das sein Spezialgebiet. Planung und Beratung für außergewöhnliche Holzbauten werden ganz auf Kundenwünsche ausgerichtet, dann wird gerechnet und getüftelt, bis sogar die Ellipsenkonstruktion realisiert und wieder ein Traum verwirklicht ist.

Aber nicht nur bei den Kunden, sondern auch die eigenen Gebäude zeigen den hohen Anspruch an den Beruf. Heinz Moering, Projektkoordinator Holzbau Cluster Hessen (HCH), sprach mit Andreas und Carmen Mitze über das Handwerk, die Zukunft und darüber, was das Cluster dafür sein kann und machte sich ein Bild von diesem Zimmereibetrieb. Das Dach der Betriebshalle besteht aus einem Flächentragwerk, den Vorbau am Wohnhaus stützt ein Stamm, dessen Astgabel als Strebe funktioniert und im Design zum blauen Holzhaus passt. Während Andreas Mitze dafür sorgt, dass aus einem Baumstamm ein Baustoff wird, bringt Carmen Mitze ihre Erfahrung aus dem Möbel- und Holzverkauf mit ein. Sie ist im Büro für den Einkauf und die Kunden da. Außerdem ergänzt sie die Angebotspalette des Handwerksbetriebes, wenn der Zimmermeister sein Werk beendet hat, fängt ihre Arbeit erst richtig an. Die gelernte Raumausstatterin plant für den Kunden von der Wandfarbe bis zur Türklinke alles und macht jeden Bau mit ihrem Design-Know-how zu einem wertvollen Unikat.

In diesem Jahr wurden so 1.200 Quadratmeter Terrassen, vier Aufstockungen, einige Dachstühle und zwei Häuser im Holzrahmenbau gebaut. Auch größere Holzbauten kann der Chef mit seinen zwei Gesellen und einem Hilfsarbeiter durchführen, weil er sich auf seine Mannschaft verlassen kann. Die derzeitige gute Auftragslage ist dem niedrigen Zinsniveau geschuldet, das kann sich schnell wieder ändern, weiß auch Andreas Mitze. „Unsere Stärke ist die Flexibilität, wir arbeiten auch mit anderen Kollegen gut zusammen“, sagt er. Die beruflichen Herausforderungen machen dem Zimmermeister kein Kopfzerbrechen, sondern feuern seine Leidenschaft für den Baustoff Holz eher noch weiter an. Dass Holz einmal als teurer Baustoff wahrgenommen wird, dann aber in der Diskussion um Flüchtlingsunterkünfte aus reinen Holzkonstruktionen vom Landkreis eine „billigere“ Ausführung als in Massivbauweise erwartet wurde, bringt den Obermeister der Zimmererinnung Waldeck-Frankenberg auf die Palme. „Wir sind nicht billiger, wir sind besser!“, sagt Mitze.

Die Herausforderungen sind groß, der Zimmerermeister hat dafür qualifizierte Aus-und Weiterbildungen gemacht und trägt eine hohe Verantwortung für seine Arbeit. Schon vor vielen Jahrhunderten haftete der Zimmermeister mit seinem Hab und Gut dafür, dass der Hausbau ordnungsgemäß vollendet wird. Das hat auch heute in Teilen noch Bestand. Darum sollten die Handwerker die Argumente für den Holzbau immer aktuell parat haben. Das HCH könnte durch die Netzwerkarbeit wichtige Informationen optimal transportieren. „Einen besseren Austausch wichtiger Informationen vor allem beim Thema Brandschutz sollte besprochen werden“, wünscht sich Mitze. „Was bei anderen Landkreisen einfach durchgeht, ist in Waldeck-Frankenberg oft unmöglich. Den Holzbau bei öffentlichen Bauvorhaben zu platzieren, ist auf jeden Fall schwieriger“, sagt er und hofft, „die Planer würden sich mehr damit auseinandersetzen und Hürden abbauen. Dann kann eine Holzbauquote von 35 Prozent erreicht werden“, so der Zimmermeister. Er wünscht sich für spezielle Themen direkte Ansprechpartner im Cluster.

Das Holzhandwerk braucht offenbar mehr Lobbyarbeit. Tradition, Berufsehre und die Arbeit mit einem interessanten Baustoff allein können nicht überzeugen. Mitze-Holzbau hat - wie viele andere auch - aktuell keinen Auszubildenden. „Die meisten Schulabgänger studieren oder wollen einen Beruf erlernen, der bequem zu erledigen ist“, sagt Carmen Mitze, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge in ihrer Kommune einsetzt und ihnen auch eine Chance geben will, in den Beruf des Zimmerers einzusteigen. Ein 42-jähriger Syrer wurde bereits als Praktikant eingestellt, die Sprachschwierigkeiten habe man überwinden können, das Arbeitspensum von acht Stunden am Tag sei aber zum Problem geworden. Der Praktikant habe nach zwei Wochen leider aufgegeben, so Carmen Mitze. „Die meisten Flüchtlinge wollen nicht am Bau, sondern im KFZ Betrieb arbeiten, dabei kommen sie aus einem Land, das wiederaufgebaut werden muss“, bedauert Andreas Mitze. Eine Ausbildung in einem Handwerksberuf könnte eine Existenzgründung im eigenen Land leichter machen, wenn die Rückkehr dorthin irgendwann wieder möglich wäre. Mitze würde sofort einen Auszubildenden oder Praktikanten einstellen, sobald sich jemand fürs Zimmererhandwerk interessiert. 

Denn Mitze hat noch viel vor. Mehrgeschossige Holzbauten in Brettsperrholzbauweise würde er gern einmal bauen. Für derlei Großprojekte könne man sich anderen Zimmereibetrieben zusammentun. In dieser Sache hat der Obermeister bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Schön Klinik in Bad Arolsen war so ein Projekt und zurzeit baut er gemeinsam mit einer anderen Zimmerei ein Schulungsgebäude. Zehn größere Gemeinschaftsprojekte hat Mitze schon durchgeführt, die Erfahrung daraus kann er ins Cluster einbringen. „Der Kunde muss unsere Qualität am Holzbau erkennen, dann wird er ihn auch beauftragen und gern bezahlen“, so Mitze, der bis Jahresende noch viel zu tun hat. Kurzfristig kamen noch 125 Quadratmeter Holzrahmenbau mit Bodenelementen dazu, „das schieben wir noch dazwischen“, sagt Andreas Mitze und macht damit noch mehr Menschen glücklich.

 

Mitze-Holzbau

Vöhl-Basendorf

www.mitze-holzbau.de

Spezialgebiet: Achteckige „Ostereier“ oder alles was rund ist

Andreas Mitze: Zitat: „Jedes Holzgebäude tut dem Holzbau gut. Wir müssen uns die Frage stellen: Ist uns das Holz lieber als Dachstuhl oder wollen wir es in den Ofen stecken?“ 

Jahrgang: 1964

Geburtsort: Siegen

Betrieb: Gründung 1897

Übernahme: 1995

Team: 2 Gesellen, 1 Hilfsarbeiter

Gewerke: energetische Sanierung, Aufstockungen, Holzrahmenbau, hochwertige Terrassen, Denkmalpflege, Dachstühle Fenster, Türen, Wintergärten, Innenausbau, Möbel, etc.    

Beruflich: Zimmermeister, stellvertretender Obermeister, Lehrlingsmeister, seit 2014

Obermeister der Zimmerer-Innung Waldeck-Frankenberg

Mitglied im Holzbau Cluster Hessen seit: 24.09.2015

 

 

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