Interview

Brücken sollten wir aus Holz bauen

Zimmermeister Hartmut Pfeiffer spricht sich für Holzbau Cluster Hessen aus

Von Diana Wetzestein

 

15. Oktober 2016_Kirchhain-Emsdorf. Wer in einen Zimmererbetrieb hineingeboren wurde, kommt aus der traditionellen Arbeitskleidung, der Kluft, kaum noch heraus. Passion war es auch bei Hartmut Pfeiffer, den Beruf des Zimmermanns zu erlernen. Heute ist er Restaurator, Zimmermeister, Obermeister der Zimmererinnung Marburg und stellvertretender Kreishandwerksmeister. Politisch engagiert sich der 51-Jährige als Stadtverordneter der CDU-Fraktion, zeigt damit Verantwortung für seine Stadt und die Region. Das zeigt sich auch durch seine Bereitschaft, einen Flüchtling aus Afghanistan als Praktikanten einzustellen und ihn jetzt auch weiterhin beschäftigen zu wollen. Damit versucht er mehr Zimmerer auszubilden und das umzusetzen, was mancher Politiker dem Bauhandwerk vom Zuwanderungsstrom versprochen hatte.

Das Holzbau Cluster Hessen (HCH) ist für Pfeiffer ein guter Partner und eine Brücke, die bereits bestehende Institutionen der Holzwirtschaft und die Handwerksbetriebe noch besser verbinden kann. Der HCH, mit seinem Sitz im Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes Kassel, ist für ihn ein „guter Ort“ dafür. „Wir brauchen Tendenzen, müssen für das Holz und das Handwerk auf die Pauke hauen und mehr Initiative ergreifen. Gemeinsam“, sagte er in einem Gespräch, das Mitte Oktober in den Räumen der Zimmerei mit Heinz Moering, Projektkoordinator des HCH, im Rahmen einer Diskussionsreise geführt wurde.

Pfeiffers Spezialität ist die Fachwerksanierung und Restaurierung. Originalsubstanz erhalten, aber: „wir wollen nicht konservieren, sondern das Haus nutzbar machen und heutige Wohnstandards erreichen“, sagte er. Seine neueste Idee, den Bau einer Holzbrücke am Bahnhof in Kirchhain. Das könnte deutschlandweit das Problem der Barrierefreiheit an kleineren Bahnhöfen mit geringen Kosten lösen und ist eine Idee, die alle Clustermitglieder erreichen wird und praktisch überall umgesetzt werden könnte.

Den Traum einer Holzbrückenkonstruktion mit hölzernem Fahrstuhlschacht brachte Pfeiffer bereits in seiner Fraktion vor. „Die Bahn will unseren Bahnhof und hier die Bahngleise für 8,5 Millionen Euro sanieren und barrierefrei machen“, erzählte Pfeiffer. Dass dabei kompliziert und teuer geplant wurde, ist seiner Meinung nach der Tatsache geschuldet, dass über Holzbau gar nicht nachgedacht worden sei, da es nicht Planungsauftrag war. „Mit einer überdachten Holzkonstruktion kann man dort relativ schnell den Bahnsteig erschließen, da sollte unbedingt noch mal nachgeplant werden“, sagte Pfeiffer. Denn sein Vorschlag würde lediglich 1,5 Millionen Euro kosten, wäre individuell, einfacher und aus dem Baustoff, der in Hessen wächst und der noch mehr zum Klimaschutz beitragen kann.

„Das Wissen um den Mehrwert des Holzbaus gegenüber dem Betonbau ist in den Bauausschüssen noch nicht angekommen“, gab Heinz Moering zu bedenken. Und genau hier setzt die Arbeit des HCH an, indem derlei Diskussionen, die vielleicht in vielen Stadtparlamenten geführt wurden und noch geführt werden, an die Stellen herangetragen werden, die ein Umdenken vorantreiben können.

Bis es soweit ist, wird Hartmut Pfeiffer gemeinsam mit seiner Mannschaft und Familie die Firma weiterführen. Das HCH wird ihn dabei unterstützen, damit auch Pfeiffers neunjähriger Sohn seine Zimmererkluft in Zukunft tragen kann.  

 

Hintergrund: Das HCH wurde im Jahr 2015 mit dem Ziel gegründet, die Holzbauquote in Hessen von derzeit 20 Prozent auf über 30 zu erhöhen. Das soll durch bessere Zusammenarbeit von Forstwirtschaft, Sägeindustrie, Handwerk, Wissenschaft und Politik sowie einer stetigen Öffentlichkeitsarbeit in den Landkreisen und überregional erreicht werden. Im Kreis Marburg-Biedenkopf haben sich der Kreis und die Zimmerer-Innung Marburg und die Zimmerer-Innung Biedenkopf mit insgesamt 22 Innungsbetrieben diesem Cluster bereits angeschlossen. 

Weitere Infos unter: www.holzbau-cluster-hessen.com

 

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