Interview

Die Chance im Holz erkennen

Obermeister Christian Sturm setzt auf Netzwerkarbeit

Von Diana Wetzestein

Dillenburg. Ein Lied, dazu der Zimmermannsklatsch und Zimmerer in der traditionellen schwarz-weißen Kluft. Diese Szenen sind bei Bauherren und Gästen eines Richtfestes immer gern gesehen. Es ist der romantische Teil eines Handwerks, das auch beim Hessentag in Herborn großes Aufsehen erregte, als Meister, Gesellen und Lehrlinge aus Betrieben der Zimmerer-Innung Lahn-Dill unter der Regie von Obermeister Christan Sturm ein Fachwerkhaus aufrichteten. Von morgens um sechs bis abends um 18 Uhr zeigten sie, was das Handwerk kann und machten auf Tradition, die Qualität ihrer Arbeit und den Baustoff Holz aufmerksam. Der Hessentag wurde zur Werbeplattform, es gab positive Rückmeldung aus den sozialen Netzwerken, in Tageszeitungen und Fernsehsendungen.

Das neu gegründete Holzbau Cluster Hessen (HCH) nimmt die Erfahrungen aus dieser Aktion in ihre Netzwerkarbeit mit auf. Diese Art „Rückenwind“ kommt dem gemeinsamen Ziel, die Holzbauquote in Hessen von derzeit 20 Prozent auf 35 zu erhöhen, zugute. Dafür vernetzen die Verantwortlichen aus Kassel Holzerzeuger wie Hessenforst, Sägeindustrie, Forschung, Wissenschaft, Kommunal- und Landespolitik sowie die weiterverarbeitenden Betriebe und das Handwerk.

Und auch Obermeister Christian Sturm trat mit seiner Innung im Oktober 2015 dem Cluster bei. Als ihr Fürsprecher, der im 2002 die AX-Holzbau GmbH übernahm und sieben Angestellte hat, nimmt er sich dennoch die Zeit, für die Kollegen eine gute Basis für die Zukunft zu schaffen. „Leider stelle ich immer mehr fest, dass die Wertschätzung für Holz abgenommen hat“, sagt er. Das liege nicht nur am geringen Preis – vor 16 Jahren kostete Leimholz 1.100 D-Mark, heute 450 Euro - sondern auch daran, dass Planer und Architekten zu oft nur in Stahl und Beton bauten und schlüsselfertig ausgeschrieben werde. Das könnten die kleinen Betriebe oft nicht anbieten, „es ist aber trotzdem gut, wenn immer mehr Bauten in Holz geplant und ausgeführt werden“, sagt der Obermeister.

Das HCH als Netzwerk, bei dem der Werkstoff Holz deshalb im Vordergrund steht, weil er ein immer wieder nachwachsender CO2-Speicher und ökologischer Baustoff ist, hält Sturm für äußerst wichtig, da dort zeitnah und übersichtlich kommuniziert werden könne. „Wir brauchen mehr Verständigung und Verständnis untereinander, dann könnten die hessische Holzwirtschaft und das Handwerk davon profitieren“, sagt Sturm.

Der Obermeister und seine Mannschaft sind Holzhandwerker, die das nachhaltige Ökoprodukt „Holz“ erst zu dem machen, was der Mensch braucht: das Dach über dem Kopf, ein ganzes Haus, Möbel oder Freizeitgeräte. AX-Holzbau führt, wie andere Holzbaubetriebe auch, Umbauten und Aufstockungen, Fachwerksanierung und allgemeine Zimmererarbeiten durch, reine Holzbauten stellen sie etwa drei pro Jahr auf. Letztere Zahl kann durch die Zusammenarbeit im HCH gesteigert werden. Wenn an den Hochschulen der Holzbau stärker gelehrt und gefördert würde, Planer und Architekten „das Brett vor dem Kopf als Wink mit dem Zaunpfahl“ für den Holzbau erkennen würden.

 

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