Interview

Wertschöpfungskette optimieren

Holz ist unverzichtbar – Hessenforst unterstützt Holzbau Cluster Hessen
von Diana Wetzestein

7. November 2016_Kassel. Seit Jahrhunderten ist Holz wertvoll und überlebenswichtig. Der Wald ist Lieferant für Bau- und Brennmaterial, Klimapuffer, Wasserspeicher und Erholungsort, komplexes Ökosystem für Flora und Fauna. Damit das auch für kommende Generationen so bleibt, pflegen und verjüngen Förster den hessischen Baumbestand. Praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse, neueste Techniken und Märkte werden dabei berücksichtigt. Denn auch die Forstwirtschaft wird stetig verbessert und alle Erkenntnisse zur Bewältigung aktueller Herausforderungen herangezogen.

In Hessen sorgt der Landesbetrieb „HessenForst“ (HF) für den Wald und die Umsetzung nachhaltiger Ziele. Als Rohstofflieferant ist er für Sägeindustrie, Handwerk und somit auch für das Holzbau Cluster Hessen (HCH) ein wichtiger Partner. Dieses will Akteure optimal miteinander vernetzen und den Wissenstransfer vereinfachen, die Holzbauquote in Hessen kann dadurch steigen. 

Helmhard Neuenhagen und Heinz Moering vom HCH sprachen persönlich mit Michael Gerst, Leiter HF, über diese Zusammenarbeit. „Einer Steigerung der Holzbauquote in Hessen von derzeit 20 auf 35 Prozent steht aus unserer Sicht nichts im Wege“, sagt Gerst, wenn die Akteure des HCH mit ihren Fähigkeiten und Tätigkeiten auf die Qualität und den Wert des Holzes als Klimaschutzfaktor aufmerksam machten und die einzelnen Prozesse besser aufeinander abstimmten. Die Wertschöpfungskette könne dadurch verbessert werden. „Der Stand von Wissenschaft und Technik zum richtigen Einsatz von Holz sollte bei allen Akteuren immer präsent sein“, so Gerst.

Der 2001 aus der Hessischen Forstverwaltung hervorgehende Landesbetrieb HF bewirtschaftet heute 342.000 Hektar hessischen Staatswald, für 385.000 Hektar Körperschafts-, Gemeinschafts- und Privatwälder ist HF ein kompetenter Dienstleister und Berater. Vor allem von Oktober bis März wird Holz geerntet. Dabei werden die Brut- und Setzzeiten der Tierwelt berücksichtigt und bis zu zwei Millionen Festmeter Holz im Staatswald bereitgestellt. Etwa 56 Prozent werden innerhalb Hessens verkauft und verarbeitet, nur zwei Prozent gehen ins europäische Ausland, gerade einmal 0,04 Prozent nach Übersee. Das Augenmerk des Betriebes liegt auf lokaler Wertschöpfung.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt, an der HF maßgeblich beteiligt ist, liefert den hessischen Forstbetrieben wichtige Grundlagen zur künftigen Waldbewirtschaftung. Sie forscht am Waldwachstum, -schutz, Naturwald und genetischen Ressourcen und kann auf 140 Jahre systematische Messungen und Untersuchungen zurückgreifen. „Bei aktuellen Problemen mit Waldschädlingen oder den Klimaveränderungen können wir sehr schnell auf diese Daten zurückgreifen und handeln, weil die Versuchsanstalt einen enormen Überblick hat“, so Gerst.

Aus eigenen Erhebungen wisse man, was jedes Jahr zuwachse und habe in den letzten Jahren etwa 90 Prozent des Zuwachswertes abgeschöpft. Damit sei HF auf der sicheren Seite, erklärt Gerst. Die Mischwälder bestehen demnach zu etwa 42 Prozent aus Fichten, Kiefern und Douglasien, etwa 45 Prozent aus Buchen und Eichen und zu etwa 13 Prozent aus verschiedenen Edellaubhölzern. In den Mischwaldbeständen soll beim Nadelholz die heutige Quote bis ins Jahr 2050 gehalten werden, das entspricht dem Waldbaukonzept. „Wir müssen uns auf Klimaveränderungen einstellen. Es wird häufiger Stürme und andere extreme Wetterereignisse geben. Deshalb legen wir bei der Durchforstung großen Wert auf die Stabilität der Bestände“, sagt Gerst. Der Fichtenanteil solle eine geringere, dafür Douglasie und Tannenarten eine stärkere Rolle spielen. „Für den Bausektor wird im Wald somit weiterhin genügend Bauholz heranwachsen“, so Gerst.

HF selbst baut konsequent mit Holz, wo es möglich ist. Der Anbau neben dem Forstamtsgebäude Burghaun, einem ehemaligen Jagdschloss oder Gebäude im Wildpark Hanau-Wolfgang sind gute Holzbau-Beispiele. Die Holzfenster, aus Kiefernholz gefertigt und mit Leinöl behandelt, sind bei HF nicht die Ausnahme, sondern Standard. „Wir müssen hier offen mit Risiken und Chancen für das Holz argumentieren. Wenn Klima- und Umweltschutzziele erreicht werden sollen, lässt sich das nicht ohne Mehrkosten erzielen. Wir haben dafür aber einen großen Mehrwert für alle“, sagt Gerst. Es gebe althergebrachte und innovative Holzprodukte, die allesamt überzeugen könnten, wenn die optimalen Einsatzmöglichkeiten aufgezeigt würden.

„Vor allem im Wohnungsbausektor ist aktuell Bedarf“, sagt der HF-Leiter. Das Land lege dafür Programme auf, und das HCH solle an dieser Stelle deutlich machen, dass Holz im Wohnungsbau eine größere Rolle spielen könne und müsse. Vor lauter Eile solle die Qualitäten des Holzbaus bei der Gebäudeaufstockung und -erweiterung im Blick behalten werden. Der Stand von Wissenschaft und Technik helfe dabei, Fehler zu vermeiden und Vorschriften über Ausführung und Brandschutz anzupassen. Dann könne die Holzbauquote um bis zu 15 Prozentpunkte gesteigert und dafür auch mehr hessisches Holz in Hessen verarbeitet werden.

Dem HCH bescheinigte Gerst „eine gründliche Vorbereitung und systematische Herangehensweise an das Thema.“ Akteure, die hier zusammenfänden, seien sehr interessiert, messbare Ergebnisse zu erzielen und zusammen an der Wertschöpfungskette zu arbeiten. „Waldbesitzer und Vertreter der Waldbewirtschaftung kommen mit Abnehmern, Verarbeitern und Gestaltern zusammen und haben innerhalb des Clusters ein Forum, in dem der Einsatz des Rohstoffes vor Ort optimiert werden kann“, sagt er.

Möglichkeiten gibt es tatsächlich zur Genüge. Auch, wenn mehr Holz verarbeitet würde, als bisher, der Wald bleibt erhalten, weil Forstbetriebe und Waldbesitzer die Grenzen seiner nachhaltigen Leistungsfähigkeit genau kennen und beachten. Jetzt gilt es, die Akteure davon zu überzeugen, dass Holz ein wertvoller und optimaler Baustoff für viele Vorhaben ist.

Michael Gerst

Jahrgang: 1959

Geburtsort: Alsfeld

Persönliche Beziehung zu Wald und Forst: Mitarbeit an einem Blockhausbau in Wiesbaden Chausseehaus.

Beruflicher Werdegang:

 

Zitate:

„Der Stand der Wissenschaft und Technik zum Thema Wald, Forst und Holz sollte aktueller kommuniziert werden und für viele einfach erreichbar sein.“

„Wir wollen Holz erst dann verbrennen, wenn es nicht mehr anders geht. Fehlanreize sollten in Zukunft vermieden werden.“

Erstaunliche Auswirkungen von Holz: Umkleidekabine Eissporthalle Frankfurt: Aggressions- und eskalationshemmend. Die Spieler waren nicht mehr so aggressiv.

 

Bestehende Angebote:

www.hessen-forst.de

Holz in allen Qualitätsstufen, Dienstleistungen für Kommunal- und Privatwaldbesitzer, Jagdangebote, Wildfleisch, Ferien im Forsthaus…

 

Forderung an das HCH:

Auf Risiken und Chancen hinweisen

Wissenstransfer verbessern

An der Wertschöpfungskette weiterarbeiten

 

 

 

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