Ausgangssituation

Um in Hessen die stoffliche Verwertung des nachwachsenden Rohstoffes Holz zu stärken, die Aktivitäten entlang der gesamten Wertschöpfungsketten zu ergänzen und zu optimieren und letztendlich um die Wettbewerbsfähigkeit des hessischen Holzbau und Ausbaugewerks zu stärken wurde der Aufbau eines Clusters Holzbau & Ausbau notwendig.

In verschiedenen Bundesländern haben sich bereits erfolgreich derartige Cluster gebildet wie:

  • In Baden-Württemberg die Clusterinitiative Forst und Holz
  • In Nordrhein-Westfalen das Landesclustermanagement Wald und Holz
  • In Rheinland-Pfalz der Holzbau-Cluster

Die Geschwindigkeit, mit dem der Strukturwandel und der Wandel Deutschlands zu einer Wissensgesellschaft voranschreitet, machen Vernetzung und schnelle Anpassungen insbesondere im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen in der Holzwirtschaft notwendig. Besonders die Arbeitswelt verändert sich dabei in immer schnelleren Zyklen.

Szenario der Wirtschaft in Deutschland

Weiterentwicklung der Produktionstechniken

aufgrund des gestiegenen Kosten-und
Wettbewerbsdrucks (Optimierung,

Rationalisierung, Flexibilisierung).

Organisation und Planung im Szenario einer wachsender Vernetzung der Arbeitswelt 

(organisatorische Veränderungen und Arbeitsteilung als Folge der Globalisierung),

steigender Einfluss von politischen und
gesellschaftlichen Entwicklungen auf das
Arbeitsleben und ständige Veränderungen
der Rahmenbedingungen.

Nachwuchsmangel durch die demografische Entwicklung
 

Diese Trends und Megatrends verändern die gesamtwirtschaftlichen Tätigkeitsstrukturen, so dass der Bedarf an Beratungs-sowie Informationsdienstleistungen kontinuierlich ansteigt. Besonders in der Weiterentwicklung von Produktionstechniken (auch in den KMU) werden zunehmend Forschungsleistungen und Technologietransfer benötigt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu behalten.

Die Ressource „Wissen“ gilt dabei als wichtigster ökonomischer Entwicklungsmotor für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe und für ganze Branchen. Um das erforderliche Wissen schneller in die Betriebe zu leiten und eine clusterbezogene Innovationsstrategie aufzubauen ist daher die Etablierung von leistungsfähigen Netzwerkstrukturen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik notwendig.

Der Wirtschaftsbereich Forst und Holz wird in seiner Bedeutung und seinem Potential für Wachstum und Beschäftigung noch immer unterschätzt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind bundesweit im Cluster Forst und Holz 1,2 Mio. Menschen beschäftigt. Der Cluster verzeichnet dabei einen derzeitigen Jahresumsatz von 170 Mrd. €, wobei die energetische Holzverwendung nur teilweise berücksichtigt wurde.

Der Wohnungsbau in Deutschland hat auch 2014 seinen Boom fortgesetzt, wodurch die Wirtschaftslage im hessischen Zimmerhandwerk weiterhin stabilisierte wurde. Mit rund 250.000 fertiggestellten neuen Wohnungen konnte ein 10-Jahres-Rekord erreicht werden, was einem Investitionsanstieg von ca. 3,7 % entspricht [Pressemitteilung der KfW vom 2.3.2015].

Die positiven Entwicklungen im Wohnungsbau werden zurzeit insbesondere durch den Geschosswohnungsbau getragen, der in den ersten zehn Monaten 2014 um etwa 10 % anstieg. Dieses Marktsegment konnte jedoch bisher vom Holzbau noch nicht ausreichend erschlossen werden. Diese Entwicklungsprognose im Wohnungsbau deckt sich mit dem Trend aus der Branchenstudie BauInfoConsult Jahresanalyse 2012/2013. Es „schlägt die Stunde der Mehrfamilienhäuser im Neubau.“

Wichtig aus der Sicht des Holzbaus ist dabei nach Einschätzung der Befragten, dass der Massivbau dabei nicht mehr so dominant auftritt wie in der Vergangenheit. Der Holzbau als Fertigbauweise befindet sich insbesondere im Norden und Süden Deutschlands im Aufwind. Die Entwicklung in der Sanierung und Modernisierung wird gemäß der Branchenstudie BauInfoConsult Jahresanalyse 2012/2013 aufgrund der wachsenden energetischen Bedeutung weiterhin positiv eingeschätzt. Bemerkenswert ist dabei, dass aus Sicht der befragten Unternehmen der Nachfragetrend nach ökologischen, umweltfreundlichen Dämmstoffen deutlich wächst, was den Werkstoff Holz zusätzlich begünstigt.

Für den Cluster Holzbau & Ausbau ist daher der Wohnungsbau einer der bedeutendsten Zielmärkte. Besondere Nachfrage besteht dabei im urbanen verdichteten Bauen und in der Bestandssanierung. Das bietet der Branche ausgezeichnete Entwicklungschancen, da der Rohstoff über hervorragende technologische, ökologische und energetische Potenziale verfüge.

Schenkt man dem Internetportal baulinks.de „Holzrahmenbau soll sich in den kommenden Jahren weiter etablieren“ vom 20.8.2012 Glauben, werden sich in den kommenden Jahren die Bedeutung einzelner Bauweisen im Bausektor deutlich verändern. 1.200 Architekten aus sechs europäischen Ländern erwarten in fünf (Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande) der sechs Länder, entsprechend dem Q2 2012 – Bericht zum europäischen Architektenbarometer-für den Holzrahmenbau eine z.T. enorme Steigerung von bis zu 70 %. Der Holzrahmenbau schnitt bei dieser Befragung von allen Bauweisen am besten ab.

Ein besonderer Vorteil des Holzbaus besteht in der Möglichkeit einer umfassenden Vorfertigung der Bauteile im Betrieb. Hierdurch können Holzbauten in sehr kurzer Zeit und bei minimaler Beeinträchtigung der Anlieger errichtet werden. Ein weiteres besonderes Argument für den Einsatz von Holz im Bau und Ausbau ist die Klimaneutralität und der minimale Energieaufwand von Holz als Roh-und Baustoff.

Durch die Integration der drei wesentlichen Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziokultur erfüllt der Holzbauschon heute die Anforderungen für nachhaltiges Bauen. Die stoffliche Verwertung von Holz fördert die Funktion des Holzes als Kohlenstoffspeicher. In Ökobilanzen weisen daher Holz, Holzwerkstoffe und Holzprodukte in allen geforderten Wirkungskategorien sehr positive Werte aus.

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde, die Verknappung der natürlichen Ressourcen schreitet immer weiter voran. Der Rohstoff Holz ist als nachwachsender Rohstoff im ausreichenden Maß verfügbar. In Hessen als dem waldreichsten Bundesland in Deutschland sind mehr als 42 % der Landesfläche bewaldet. Von 2002 und 2012 hat sich die Waldfläche in Hessen sogar um 4.800 ha vergrößert. Auch der Vorrat an Holz im hessischen Wald hat sich vergrößert und zwar um 23 Mio. Kubikmeter. Gleichzeitig wurden in jedem Jahr 6 Mio. Kubikmeter Holz genutzt. Damit ist der Rohstoff für die Branche des Holzbaus und Ausbau dauerhaft gesichert.

Die Branchenstudien / Jahresanalysen von BauInfoConsult für die Jahre 2014 und 2015 [Bautrendstudie 2014, Bautrendstudie 2015 BauInfoConsult] zeigen, dass der Wunsch nach nachhaltigem Bauen fest in den Köpfen der Architekten und Bauherren verankert ist. Die KfW-Effizienzhäuser 55 und 70 sind laut Aussage der Architekten die Gebäude-Energiestandards mit der größten Nachfrage. Energieeffizienz ist aus Sicht des Bauherrn der wichtigste Gesichtspunkt beim nachhaltigen Bauen.

Die Anforderungen der Architekten an die Hersteller von Baustoffen hinsichtlich der Nachhaltigkeit sind mittlerweile hoch. Sie verbinden mit dem Begriff nicht nur das nachhaltige wirtschaften mit dem Produkt, sondern auch die ökologischen Aspekte der Herstellung und des regionalen Transportes. Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe bei der Herstellung, kurze Transportwege sowie Ressourcen schonende Produktionsverfahren kennzeichnen aus Sicht der Architekten die Nachhaltigkeitsmerkmale.

Dies ist ein Umstand, welcher dem Werkstoff Holz vordergründig deutlich verbesserte Marktchancen gegenüber anderen Bauweisen eröffnet. Die forsa-Studie im Auftrag der DFH (Deutsche Fertighaus Holding AG) zeigt, dass der Begriff Nachhaltigkeit jedoch nicht nur das Attribut der Holzbauweise ist. Im Gegenteil: In der Wahrnehmung des potentiellen Bauherrn werden Faktoren wie ökologische Bauweise, niedrige Energiekosten, Flexibilität in der Grundrissgestaltung und geringe Instandhaltungskosten durchaus auch dem Massivbau zugesprochen. Hier müssen alle Akteure des Werkstoffes Holz noch umfassende Aufklärungsarbeit betreiben!

 

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